Vor zwei Jahren verreisten wir zum ersten Mal mit unserem Buschtaxi Shaka: fünf Wochen nach Marokko.
Shaka, das ist ein Toyota LandCruiser – eine lebende Legende, „the best car in the world“, ein Männertraum. Unserer ist ein HZJ78, ein Buschtaxi (Bildungslücke? Schau dir hier ein wirklich lustiges Video an. Hat mich auch sehr geholft! 😉), Baujahr 2006, von der Bergwacht in Nesselwang, „3-2-1-meins!“ ersteigert, kein Futzelchen Rost. Coole Karre. Die Funk- und Rufnummern der Bergwacht am Armaturenbrett haben wir aus Nostalgie gelassen, die letzten Reste der Aufkleber auf dem Lack mühsam entfernt. Der Name für den LandCruiser war schnell gefunden. Da er ursprünglich aus Südafrika kommt, verdient er den Namen des großen Königs der Zulu: Shaka!

Der erste Umbau vom Buschtaxi

Der „Umbau“ für die Marokkoreise war schnell erledigt. Die Löcher vom Blaulicht im Dach mit Tape zugepappt. Neue, sehr große Reifen drauf, Kletterkiste und Kanister aufs Dach. Vier graue Euroboxen mit Zeug hinten rein, Engel-Kühlbox mit der Solarzelle verkabelt (ich weiß, sehr dilettantisch ausgedrückt – ich hab Angst vor Strom und vor allem keine Ahnung, der Herr Ingenieur dafür umso mehr). Zwei mit Klavierband zusammengeschraubte Bretter sollten uns als Bett dienen, 1,10 m breit, oben drauf eine selbstaufblasende Matratze, 1,20 m breit – blöd jetzt. Naja, egal, steht halt eine Seite ein bisschen auf, wird schon gehen, wir sind ja schließlich frisch verheiratet. Schnell gezimmert ist eine Art Küchenkasten aus Multiplex-Resten – ein graues Silikon war im Chaos nicht zu finden, daher ziert seither eine kackbraune Silikonwurst die Ritzen der „Arbeitsfläche“. Ein Wasserkanister hinter die Heckleiter geklemmt, Coleman 2-Flammen-Benzinkocher eingepackt – der sei gut, haben sie gesagt. Schon fast fertig, nur noch eine Solar-Lichterkette für ein bisschen heimelige Atmosphäre und unsere beiden Schaffelle, Zenzi und Berta. Diese sollten uns noch gute Dienste erweisen, da unsere tolle Luftmatratze schon auf dem Weg nach Genua die Luft verlor. 

Dazwischen ein Hausbau

Viel mehr Zeit (und Lust) hatten wir für den Ausbau auch nicht. Im Sommer haben wir unser Haus gebaut. Gnadenlos optimistisch und hoffnungslos naiv peilten wir darauf, dank viel gutem Karma Anfang September einzuziehen. Doch wie wohl auf jedem Bau war alles und jeder im Verzug. Lektion Nr. 1: Karma? Was ist das? Lektion Nr. 2: Geld? Nur Papier. Lektion Nr. 3: Am Ende wird nicht alles gut. Immerhin war am 22.11. das Dach endgültig dicht, Fenster montiert (nur eins kaputt), der Ofen drin (funktioniert!) und der Estrich begehbar. Kein Wasser, kein Klo, keine Böden, keine Türen, keine Küche. Okay, wir sind ja Camper. Ein Porta Potti haben wir, einen Wasserkanister und eine Schüssel auch. Und hurra, wir haben Strom! Hauptsache, die Kaffeemaschine funktioniert und das Tegernseer geht nicht aus.

Umzug und Abflug

23.11.2017, Umzug: Im strömenden Regen alle Umzugskisten rein balanciert und aufgestapelt, Tür zu. Fertig. Jetzt nur noch weg, Abflug! Anstatt uns mit Bauherrenstolz mit Eifer ans Aufhübschen zu machen, rollen wir am 24.11. mit dem notdürftig gepackten Buschtaxi vom Hof. Der Komfort und die Funktionalität von unserem Reisemobil profitieren die ersten Wochen enorm von unserer Erschöpfung und unserer Leidens- und Kompromissfähigkeit, die wir beim Bau aufgebaut haben. Aber nach drei Wochen geht’s los. Was war gleich wieder in welcher Kiste? Hast du x gesehen? Himmel, wo ist gleich nochmal y? Kiste auf, Kiste zu, Kiste raus, Kiste rein. Der ewige Kampf mit der aufgebogenen Ecke der halbtoten Luftmatratze. Unzählige Male den Kopf an der Hecktür angehauen, Kochen ist sowieso nur draußen möglich, aufrechtes Sitzen auch. Kriechen, Buckeln, Kramen, Suchen. 

Neue Pläne

Ja, natürlich sind das Luxusprobleme. Marokko ist wunderbar. Die Sonne tut so gut. Wir sind begeistert von den abwechslungsreichen Landschaften, den freundlichen Menschen und dem leckeren Essen. Lauschen der Stille der Wüste und versuchen uns im Wellenreiten. Stehen staunend vor den Kunstwerken der Römer und von Hannsjörg Voth. Kletterfelsen wollen erkundet und Pläne für Kletterkurse und Skitouren im Hohen Atlas geschmiedet werden. Die wenigen Lebkuchen schmecken köstlich – auf der Düne in der Sonne. Und Weihnachten feiern wir bei Wein und Pasta am Lagerfeuer. 

Immer wieder reden wir über eine lange Reise und wie wir diese bewerkstelligen können. Logisch – wenn dann mit unserem Buschtaxi Shaka! Wir träumen von wilden Pisten, von steilen Pässen, von endlosen Wüsten, blauem Meer und schönen Kletterfelsen. Iran, Oman, Indien, Nepal – klar, Pflichtprogramm! Hmmm, oder doch lieber nach Ostafrika? Australien und Neuseeland, eh klar. Und ach, in Südamerika waren wir auch noch nicht gemeinsam.
Fernweh. Freiheit, Abenteuer, die Welt gehört uns! Während wir schwelgen, machen wir auch eine Liste für unseren Shaka. Sie ist lang. Stehhöhe, ein Bett, ein Wassertank, ein großer Dieseltank, eine Standheizung… Aber auch simple Wünsche stehen darauf wie ein Besteckkasten oder ein guter Tisch. Und ein anständiger Kocher! Mit dem Coleman werden wir nicht warm. Der findet bestimmt woanders ein toleranteres Zuhause.   

Eins ist nach dem Urlaub klar: Wir machen es einfach! Eine Reise um die Welt, in Etappen, damit dazwischen unsere Bergschule weiterlaufen kann.
Wann? Jetzt! Bald! Mit unserem Shaka in der Version 2.0.

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