Vor zwei Jahren verreisten wir zum ersten Mal mit unserem Buschtaxi Shaka: fünf Wochen nach Marokko. Ein Toyota LandCruiser, Baujahr 2006, von der Bergwacht in Nesselwang, „3-2-1-meins!“ ersteigert, kein Futzelchen Rost. Quasi neu. Die Funk- und Rufnummern der Bergwacht am Armaturenbrett haben wir aus Nostalgie gelassen, die letzten Reste der Aufkleber mühsam entfernt.

Der erste Umbau vom Buschtaxi

Der „Umbau“ für die Marokkoreise war schnell erledigt. Die Löcher vom Blaulicht im Dach mit Tape zugepappt. Neue Reifen drauf, Kletterkiste und Kanister aufs Dach. Vier graue Euroboxen mit Zeug hinten rein, Engel-Kühlbox mit der Solarzelle verkabelt (ich weiß, sehr dilettantisch ausgedrückt – ich habe Angst vor Strom und kenn mich damit nicht aus, der Ingenieur dafür umso mehr). Zwei mit Klavierband zusammengeschraubte Bretter dienten uns als Bett, 1,10 m breit, oben drauf eine selbstaufblasende Matratze, 1,20 m breit – blöd jetzt. Naja, egal, steht halt eine Seite ein bisschen auf, wir sind ja schließlich frisch verheiratet. Schnell gezimmert ist eine Art Küchenkasten aus Multiplex-Resten – das graue Silikon war aus, daher zierte eine kackbraune Silikonwurst die Ritzen der „Arbeitsfläche“. Ein Wasserkanister hinter die Heckleiter geklemmt, Coleman 2-Flammen-Benzinkocher eingepackt – der sei gut, haben sie gesagt. Schon fast fertig, nur noch eine Solar-Lichterkette für ein bisschen heimelige Atmosphäre und unsere zwei Schaffelle, Zenzi und Berta. Diese sollten uns noch gute Dienste erweisen, da unsere tolle Luftmatratze schon auf dem Weg nach Genua die Luft verlor. 

Dazwischen ein Hausbau

Viel mehr Zeit hatten wir auch nicht. Im Sommer haben wir unser Haus gebaut. Gnadenlos optimistisch und hoffnungslos naiv peilen wir darauf, Anfang September einzuziehen. Doch wie wohl auf jedem Bau war alles und jeder im Verzug. Immerhin war am 22.11. das Dach endgültig dicht, der Ofen drin und der Estrich begehbar. Kein Wasser, kein Klo, keine Böden, keine Küche. Okay, wir sind ja Camper. Ein Porta Potti haben wir, einen Wasserkanister und eine Schüssel auch. Und hurra, wir haben Strom! Hauptsache, die Kaffeemaschine funktioniert und das Tegernseer geht nicht aus.

Umzug und Abflug

23.11.2017: Im strömenden Regen Umzugskisten rein, Tür zu, schnell weg. Anstatt uns mit Bauherrenstolz mit Eifer ans Aufhübschen zu machen, rollen wir am 24.11. mit dem notdürftig gepackten Buschtaxi vom Hof. Der Komfort und die Funktionalität von unserem Reisemobil profitiert die ersten Wochen enorm von unserer Erschöpfung und unserer Leidens- und Kompromissfähigkeit, die wir beim Bau aufgebaut haben. Aber nach drei Wochen geht’s los. Was war gleich wieder in welcher Kiste? Hast Du x gesehen? Himmel, wo ist nochmal y? Kiste auf, Kiste zu, Kiste raus, Kiste rein. Der ewige Kampf mit der aufgebogenen Ecke der halbtoten Luftmatratze. Unzählige Male den Kopf an der Hecktür angehauen, Kochen ist sowieso nur draußen möglich, aufrecht Sitzen auch. Kriechen, Buckeln, Kramen, Suchen. 

Neue Pläne

Ja, natürlich sind das Luxusprobleme. Marokko ist wunderbar. Wir sind begeistert von den abwechslungsreichen Landschaften, den freundlichen Menschen und dem leckeren Essen. Lauschen der Stille der Wüste und versuchen uns im Wellenreiten. Stehen staunend vor den Kunstwerken der Römer und von Hansjörg Voth. Neue Kletterfelsen wollen gefunden und Pläne für Kletterkurse und Skitouren im Hohen Atlas geschmiedet werden. Die wenigen Lebkuchen auf der Düne schmecken köstlich und  Weihnachten feiern wir bei Wein am Lagerfeuer. 

Immer wieder reden wir über eine lange Reise und wie wir diese bewerkstelligen können. Eins ist klar – wenn dann mit unserem Buschtaxi Shaka! Wir träumen von Pisten, Wüsten und schönen Kletterfelsen, aber auch von Stehhöhe, einem Wassertank und einem Besteckkasten. Und von einem anständigen Kocher, der Coleman findet bestimmt woanders ein toleranteres Zuhause.   

Eins ist nach dem Urlaub klar: Eine lange Reise steht an und zwar so bald wie möglich. Und der Shaka in der Version 2.0!