Conni von bergfuehrer.com hatte das Vergnügen, mit der gerade vom Pacific Crest Trail (PCT) heimgekehrten Caroline Ludwig über ihr sechsmonatiges Abenteuer, alleine zu Fuß von Mexico nach Kanada, zu sprechen.

Caroline Ludwig, Jahrgang 1995, ist trotz ihrer jungen Jahre schon weit gewandert. Sie hat die Alpen überquert, war auf dem Wicklow Way in Irland und hat kürzlich alleine den Pacific Crest Trail, satte 4.300 km durch Wüsten und Berge, zurückgelegt. Etappen mit bis zu 4.000 hm und 40 km Länge sind da keine Seltenheit. Caroline ist gelernte Bankkauffrau und studiert in Gießen Ökotrophologie. Außer ihrer Leidenschaft für Berge, Abenteuer und Draußensein spielt sie gerne Lacrosse, liest viele Bücher oder ist auf der Yogamatte zu finden. Und ja, manchmal schläft Caroline auch.

Wie kamst du auf die Idee den PCT zu wandern?

Ich habe vor zwei Jahren das Buch „Wild“ zum Geburtstag geschenkt bekommen und quasi verschlungen. Die Autorin Cheryl Strayed ist selbst 1.000 Meilen (also ca. die Hälfte des Trails) gewandert und seitdem stand für mich fest: Das will ich auch.

PCT VerlaufWo verläuft der PCT genau?

Der Pacific Crest Trail ist ein Weitwanderweg einmal durch die USA. Er startet an der mexikanischen Grenze (Campo) und führt über 4.300 km hinauf bis zur kanadischen Grenze (Manning Park). Drei Staaten, Kalifornien, Oregon und Washington, werden bei der Wanderung durchquert. Da die Schneesituation dieses Jahr sehr extrem war, bin ich in Oregon an der Küste entlang gewandert, statt auf dem PCT. Aber auch an der Küste bin ich einmal quer durch Oregon gelaufen.

Puh, das ist echt weit…. wieviel Zeit hast du dir dafür genommen?

Da ich Anfang Oktober zum Studienbeginn wieder in Deutschland sein musste, hatte ich nur 5½ Monate Zeit für den PCT. Ich habe auch nur etwas weniger Zeit gebraucht und war ziemlich genau nach 5 Monaten und einer Woche in Kanada.

Was hattest du alles an Gepäck dabei?

Eine ganze Menge! 🙂 Ich hatte ein Zelt, einen Schlafsack, eine Isomatte und natürlich einen Rucksack dabei. Dann noch Kleidung, Kochsystem, Erste-Hilfe-Set, Handy, Taschenmesser, Stirnlampe und allerlei anderer Sachen dabei. Die genaue Liste findest du auch auf meinem Blog. Auf jeden Fall war ich im Endeffekt bei einem Basisgewicht von 7,3 kg. Zusammen mit Essen und Wasser hatte ich meistens zwischen 13 und 15 kg auf dem Rücken.

Hast du auf deiner Reise irgendwas vermisst?

Oh ja! Deutsches Essen! Nach monatelangem Tütenessen hätte ich echt viel für ein einfaches Schwarzbrot mit Käse gegeben. Das gleiche auch mit frischem Obst und Gemüse. Das kommt auf dem PCT leider viel zu kurz, da es einfach zu schwer ist und nur wenige Kalorien liefert. Ansonsten habe ich natürlich auch meine Freunde und Familie vermisst. Besonders wenn ich über längere Strecken ganz alleine unterwegs war, hatte ich öfters Heimweh und hätte manchmal gerne ein wenig Gesellschaft gehabt.

Auf was hättest du verzichten können?

Auf meine vielen Begegnungen mit Bären! Darauf hätte ich am leichtesten verzichten können. Auf der ganzen Wanderung sind mir acht Bären begegnet, was schon extrem viel ist. Die meisten Wanderer sehen maximal zwei, wenn überhaupt…
Wenn ich an meinen Rucksack denke, dann hätte ich meinen Regenrock daheim lassen können. Der war nur zwei Mal im Einsatz und wurde ansonsten nur mit rumgeschleppt. [80g, Anm.d.Red. ;-)]

Was waren deine drei schönsten Momente?

Also ganz oben steht da natürlich der Moment, indem ich die kanadische Grenze erreicht habe. Das war einfach ein überwältigendes Gefühl, was sich gar nicht so leicht in Worte fassen lässt. Zu wissen, nach so vielen Monaten endlich am Ziel zu sein, ist echt genial!
Als ich den höchsten Pass, den Forester Pass auf 4.020m, in den Bergen erklommen habe war auch so ein toller Moment. Den Ausblick über die anderen Berge und die Landschaft zu genießen und zu wissen, es aus eigener Kraft soweit geschafft zu haben, war einfach atemberaubend.
Und ein weiterer schöner Moment war in der Wüste an einem ganz besonders heißen Tag, als mich an der einen Ecke ein Ehepaar mit kalten Getränken und Snacks erwartet hat. Der Tag war so hart gewesen und nach Tagen mit warmen, geschmacklosem Wasser ist eine Sprite ein echtes Highlight. 😀

Und welcher dein härtester?

Definitiv die Nacht, als ich ganz alleine im Schnee zelten musste, die ganze Nacht gefroren habe und abends noch drei Bären gesehen habe und mich die ganze Nacht gefürchtet habe, dass sie wiederkommen.
Aber das ist wirklich nur einer von vielen und es gab für mich eine Menge harter Momente auf dem Trail….

Du hast bestimmt viele nette, lustige und schräge Leute kennengelernt. Welche Begegnung fällt Dir da spontan ein?

Oh, ich hatte so viele tolle Begegnungen! Ich habe eine Menge neue und liebe Menschen kennengelernt. Die schönste Begegnung war wohl die mit Paula und Wendell, meiner „adoptierten“ amerikanischen Familie. Die beiden haben sich rührend um mich gekümmert, mich bei sich aufgenommen und versorgt. Und auch während meiner ganzen Reise, wie auch jetzt noch, standen wir in Kontakt. Ich habe die beiden zu einem späteren Zeitpunkt sogar nochmal besucht und die beiden haben mir unglaublich geholfen.

Jeden Tag wandern. Ist das nicht auch manchmal fad?

Ziemlich oft sogar. Einen großen Teil der Zeit war ich auch müde, hatte keine Lust mehr und wollte einfach nur zurück nach Hause in mein Bett. Manchmal ist es sehr langweilig, den ganzen Tag nur zu laufen. Besonders wenn man alleine unterwegs ist, muss man sich manchmal echt die Zeit vertreiben. Immer wenn mir mal langweilig war, habe ich ein Hörbuch gehört, was enorm geholfen hat.

Wie hast du dich motiviert, jeden Tag wieder aufzustehen und weiterzulaufen?

Das war gar nicht so einfach und ich musste oft meinen inneren Schweinehund überwinden. In manchem Momenten habe ich mich einfach nur gefragt, wieso ich das überhaupt mache und wieso ich mir das antue. Und für diese Momente habe ich bereits vor meiner Reise vorgebeugt, indem ich mir eine Liste geschrieben habe, warum ich den PCT wandern möchte. Und diese Liste habe ich mir dann immer wieder zur Hand genommen und durchgelesen, falls ich mal wieder einen harten Tag hatte. Ach ja und Musik hören hilft auch ungemein zur Motivation.

Ich bin ja selbst auch gerne alleine unterwegs. Aber ich glaube, ich würde mich auch manchmal gruseln, vor allem in der Nacht. Wie ging es Dir? Hattest Du auch manchmal Angst?

Die meiste Zeit ging es mir sehr gut. Ich war zuvor noch nie alleine wandern gewesen und habe die Freiheit und Unabhängigkeit, die einem dabei zuteil wird, sehr genossen. Doch natürlich gab es auch öfters Momente, in denen ich gerne jemanden an meiner Seite gehabt hätte. Besonders nachts im Zelt, wenn ich draußen Geräusche gehört habe, hatte ich oft riesige Angst und lag manchmal noch lange wach und konnte nicht schlafen. Auch im Schnee oder bei den Bärenbegegnungen habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als nicht alleine zu sein. Doch aus diesen Momenten habe ich eine ganze Menge gelernt und sie haben mich auch stärker gemacht.

Welcher Geruch erinnert dich an dein Abenteuer?

Das ist auf jeden Fall der Geruch von Kiefern – obwohl ich gar nicht so recht weiß, warum. Doch dieser Geruch erinnert mich an den PCT.

Nach so viel Freiheit… wie fühlt es sich an wieder zuhause zu sein?

Komisch! Über das Thema habe ich erst vor kurzem erst einen Artikel geschrieben und doch ist es schwer auszudrücken, wie es sich anfühlt. Ich fühle mich manchmal ein wenig fremd und vermisse den Trail schon sehr oft. Besonders die Freiheit fehlt mir doch sehr und die ganzen Verpflichtungen und Termine erdrücken mich manchmal beinah. Doch es hat auch positive Seiten wieder hier zu sein. So weiß ich es jetzt sehr zu schätzen, Zeit mit Freunden oder meiner Familie zu verbringen, ein Dach über dem Kopf und ein warmes Bett zu haben und das beste… einen Kühlschrank voll mit allem was das Herz begehrt. 😉

Was hat sich für dich verändert?

Erstaunlicherweise hat sich sehr viel verändert und ich habe in diesem halben Jahr eine Menge gelernt und mitnehmen können.
Ich bin deutlich selbständiger geworden. Am Anfang habe ich mich noch davor gefürchtet die ganze Zeit auf mich alleine gestellt zu sein und alle Entscheidungen treffen zu müssen. Doch auf dem Trail bin ich an den täglichen Herausforderung gewachsen und habe gelernt damit umzugehen.
Ich bin jetzt außerdem viel gelassener, wenn mal etwas nicht nach Plan läuft und ich habe gelernt, dass es meistens sowieso immer ein gutes Ende findet. Der vorherige Stress ist also gar nicht nötig. 😉
Und in den letzten Monaten ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist, jeden Moment zu genießen und das Leben auszunutzen. Das war eine besonders wichtige Lektion für mich und ich bin froh, dass ich das alles auf dem Trail lernen durfte.

Falls ich den PCT auch machen wollte… welchen Tipp würdest du mir geben?

Hike your own hike. Ich finde das gilt für jede Wanderung. Mach dein eigenes Ding und bestimme selber wie du es machen möchtest. Denn schließlich ist das dein eigenes, ganz persönliches Abenteuer.

Vielen Dank für das Gespräch, Caroline! Wir wünschen dir noch viele tolle Abenteuer und alles Gute für dein Studium.

Caroline hat jeden der 162 Tage ihrer unglaubliche Tour in ihrem Blog festgehalten.
carohatwanderlust.wordpress.com

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